Exquisites Barockkonzert

Glanzvoller Auftakt der 30. Dammhaus-Konzert-Saison

Mit dem hochkarätigen Ensemble „alla polacca“ hatte die Organisatorin (...) wieder einmal einen besonderen Glücksgriff getan. Fünf engagierte und perfekt musizierende (...) Künstler verzauberten das Bünder Publikum mit einem exquisitem Barockkonzert, das man in solch einer Vollendung selten zu hören bekommt.

Iwona Leśniowska (Sopran), Franz Vitzthum (Altus), Paulina Kilarska (Cembalo), Leonhard Bartussek (Barockcello) und Stanisław Gojny (Laute) boten „Alte Musik“ erfrischend jung und lebendig dar. (...) Zu Beginn sangen Iwona Leśniowska und Franz Vitzthum, begleitet von dem sehr präzise agierendem Continuo-Ensemble, ein herrlich vitales Duetto von Agostino Steffani. Bereits in diesem Werk konnte man viele stimmlichen Qualitäten der beiden Sänger bewundern. Mit großer Flexibilität und Klarheit musizierten sie dieses kleine Werk.

Ganz anders die Kantate „La Lukretia“ des jungen Georg Friedrich Händel. (...) Voller Dramatik, Anklage und Schmerz kommt diese affektgeladen Musik daher und zieht den Zuhörer in ihren Bann. Damit es aber zu dieser herausragenden Wirkung kommt, bedarf es eines so hervorragenden Soprans, wie ihn (...) Iwona Leśniowska besitzt. Brillant, hochdramatisch und doch von höchster Flexibilität, so entfaltete die Sängerin ihre Stimme vor dem Publikum, das über soviel Perfektion nur staunen konnte. In den Mitgliedern des Instrumentalensembles fand sie ihren hinreißenden Wiederpart. Die Instrumentalisten unterstützen nicht nur den sängerischen Vortrag, sondern rundeten den dramatischen affektgeladenen Vortrag vollendet ab. (...)

Mit der Suite (...) von Charles Babell stellte sich die Cembalistin Paulina Kilarska als Solistin vor. Dieses (...) Stück spielte sie technisch sehr ausgefeilt und ließ die feinen und filigranen Strukturen dieses Werkes besonders gut erkennbar werden. Franz Vitzthum (...) verband (...) die Qualitäten seiner schlanken, variablen Stimme mit einer sehr charmanten Darstellung. (...) Einen Höhenpunkt des Abends stellte sicherlich die Kantatte „Lasciami un sol momento“ von G.B. Bononcini dar. In dieser Solokantate (...) zeigte Franz Vitzthum sein ganzes sängerisches Können, das sich durch eine allerfeinste Stimmkultur auszeichnet. Elegant und geschmeidig führt er seine Stimme in ungeahnte Höhen. Kein scharfer Ton ist zu hören. (...) Mit der Sonate (...) von Telemann (...) trat Leonhard Bartussek als Instrumentalist hervor. Sein Barockcello spielte er voller Hingabe und Virtuosität. Der besonders warme, unaufdringliche Klang des Barockcellos harmonierte gut mit Technik und Interpretation (...).

Einen fulminanten Schlusspunkt setzen dann alle (...) Musiker mit Händels Duetto „Tanti strali“, bei dem sich die musikalischen Talente der einzelnen und im Ensemble in besonderer Weise zeigten. Virtuosität paarte sich hier mit der Harmonie des Miteinander. Sagenhafte Koloraturen der beiden Sänger entfalteten sich auf dem musikalischen Boden der Instrumentalgruppe. (...) Als Zugabe und Dank für den herzlichen Applaus gab es noch einige musikalischen Leckerbissen von Henry Purcell und „alla polacca“ entließ ein sichtlich beeindrucktes Publikum aus diesem Konzert.

 

Westfalen-Blatt (03.11.2005) - von Heike Susanne Festerling M.A.